"Schuldistanz führt zu Schulverweigerung und kann mit Schulabbruch enden.
Schulabbruch ohne jeden schulischen Abschluss lässt die Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt gegen null tendieren.
Damit verliert ein Teil unserer Jugendlichen auf Dauer jede positive Perspektive."

Sandra Scheeres SPD
Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft




Formen von Schulabsentismus

Schulangst:
Angst vor konkreten Belastungen in der Schule.

 

Schulphobie:
Kindliche Trennungsangst als primär familiäres Beziehungsproblem bzw. weitergehende Sozialphobie.

 

Schulverweigerung:
Symptom der Dissozialität, meist keine Angstsymptomatik; Schulunlust und Desinteresse gepaart mit schlechten Schulleistungen sind charakteristisch.

 

Aktive Schulverweigerung
Aktiver Schulverweigerer stören den Unterricht und demontieren offen ihre Ablehnung, schwänzen gelegentlich oder kehren sich vollständig von der Schule ab (drop-out).

 

Passive Schulverweigerung
Schüler, die passiv die Schule verweigern sind zwar anwesend, beteiligen sich jedoch nicht am Unterricht und zeigen dich desinteressiert. Oder die Jugendlichen bleiben der Schule zwar unentschuldigt fern, das Fehlen ist aber inhaltlich nicht nachzuvollziehen (z.B. hohe Anzahl von Fehltagen bei Bagatellerkrankungen).

 

Zurückhaltung vom Unterricht
Eine besondere Form des Schulabsentismus stellt das Zurückhalten vom Unterricht dar. Das Zurückhalten wird von den Erzeihungsberechtigten veranlasst, weil die Abwesenheit des/der Schülers/-in außerhalb der Schule erwünscht ist.

Dies kann verschiedene Gründe haben:

  • Unentschuldigtes Fernbleiben unmittelbar vor bzw. im Anschluß an die Ferien wird mit Urlaubsreisen und familiären Anlässen begründet.
  • Auch kulturelle und religiöse Gründe können dazu führen, dass Schüler der Schule entzogen werden.
  • Gleichgültigkeit, Desinteresse oder Aversionen der Eltern gegen die Schule können für Zurückhaltung verantwortlich sein.
  • Interfamiliäre Problemlagen hindern das Kind am Weggehen von Zuhause. Die Sorge für die Familie daheim ist größer als der Drang, die Schule zu besuchen.

Fehlzeiten durch Zurückhalten können mögliche Anzeichen von Kindeswohlgefährdung sein.


Interview mit Frau Nicole Römer (Sozialpädagogin)

»Frau Römer, die Time Out School ist eine Schule für Schulverweigerer. Was bedeutet Schulverweigerung, was muss ich mir darunter vorstellen?«

 

»Schulverweigerung ist die Beschreibung eines sehr komplexen Verhaltensmusters von Schülern, die -vereinfacht gesagt- entweder nicht mehr zur Schule gehen (aktive Schulverweigerung), oder zwar in der Schule sind, dort dem Unterrichtsgeschehen aber kaum folgen und sich zurückziehen (passive Schulverweigerung).«

 

»Wie kommt es dazu, dass ein Schüler die Schule nicht mehr besucht, bzw. besuchen kann? Wir haben doch die Schulpflicht in Deutschland.«


»Hier muss man sehen, dass die Schulen zwar angehalten sind, die Schulpflicht einzufordern, ihnen aber oftmals die Hände gebunden sind. Die Schulleitungen, die Lehrer, sowie auch die Jugendsozialarbeit an Schulen führen Gespräche mit den beteiligten Schülern und deren Eltern, dies führt aber nur in manchen Fällen zum Erfolg.«

 

»Wie erklären Sie es sich, dass die Schüler trotz mehreren Gesprächen und Hilfsangeboten weiterhin nicht in die Schulen gehen?«


»Schulverweigerung geht immer einher mit mehreren Einflussfaktoren im Bereich der Familie, der Schule, der Peergroup und natürlich des Jugendlichen selbst. Wir können nicht von einem linearen Ursache-Wirkungsprinzip ausgehen, sondern gehen davon aus, dass immer mehrere Faktoren aus den oben genannten Bereichen zusammenwirken und dies dann zu schulverweigerndem Verhalten führt.

Dieses Erklärungsmuster bedeutet für den Umgang mit Schulverweigerung, dass wir mit einem breiten Methodenspektrum auf Schulverweigerung antworten müssen und in jedem Fall neu schauen, wo und wie wir ansetzen können.»

»Wie sieht die Antwort der Time Out School dann auf Schulverweigerung aus?«

 

»Wir haben zum Einen die Möglichkeit, als Beratungsstelle hinzugezogen zu werden und beratend im Prozess zu unterstützen. Zum Anderen können wir acht Schüler und Schülerinnen in der Time Out School aufnehmen und dort intensiv mit ihnen und ihren Familienarbeiten.

»Wie kann ich mir das konkret vorstellen?«

 

»Sofern wir in der Phase des Clearings mit allen Beteiligten zum Entschluss gekommen sind, dass die Time Out School die richtige Lösung ist, nehmen wir ihn / sie bei uns auf. Dies kann - um ein Beispiel zu nennen - der Fall sein bei Schülern, die bisher zu sehr familiengebunden waren, sich selbst nicht mehr motivieren können und durch häufiges Fehlen den Anschluss an die Klasse verloren haben. Wenn der Schüler / die Schülerin nicht von selbst bei uns ankommt, holen wir den Schüler / die Schülerin ab, und versuchen die oben angesprochenen Einflussfaktoren so zu verändern, dass der Schulbesuch möglich wird.

Wir arbeiten im Bereich der schulischen Förderung mit individuellen Lernplänen, die an den jeweiligen Kompetenzen der Jugendlichen ansetzt und auf sie zugeschnitten sind. Jede / r Schüler / in kann somit die eigenen Lücken schließen und Lernerfolge und -fortschritte erfahren. Im Bereich der Förderung sozialer Kompetenzen arbeiten wir mit den Schülern und Schülerinnen einzeln oder in Kleingruppen. Wir bieten den Jugendlichen einen klar strukturierten Tagesablauf und geben ihnen über die Gruppe die Möglichkeit, Feedback über ihr Verhalten zu bekommen und sich im geschützten Rahmen neu zu orientieren.

Ein weiterer Pfeiler unserer Arbeit ist die Elternarbeit. Wir arbeiten eng mit den Eltern zusammen und versuchen mit Ihnen gemeinsam einen Weg zu finden, ihre Erziehungsverantwortung wieder auszuüben.

»In welchen Situationen ist die Time Out School keine passende Antwort?«

 

»Dies ist der Fall, wenn beispielsweise psychische Erkrankungen des Jugendlichen selbst vorliegen oder gefährdendes Verhalten von ihm / ihr ausgeht. Auch bei Suchtkrankheiten sind wir nicht der richtige Partner.

Für diese Problemstellungen gibt es Einrichtungen und Beratungsstellen, die darauf spezialisiert sind und wir werden den Weg dorthin begleiten, aber den Schüler / die Schülerin nicht bei uns aufnehmen.»


Menschen helfen e.V
Stadt Singen
Schulamt Konstanz
Kinderheim St. Peter und Paul
Waldeckschule Singen

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